Gesundheitsminister Bahr regt Öffnung der privaten Krankenversicherung an

Veröffentlicht am 12.09.2013

Die Bundestagswahl 2013 steht unmittelbar bevor, verschiedene Parteien präsentieren im Schlussspurt Konzepte und Ideen zur Abgrenzung zu ihren politischen Gegnern. Mit einem aktuellen Vorstoß im Bereich der Krankenversicherung hat Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eine Aufhebung der Zugangsbeschränkung zu privaten Volltarifen angeregt. Nach seinen Vorstellungen soll es jedem Bundesbürger möglich sein, die freie Wahl zwischen der Absicherung über eine gesetzliche Krankenkasse oder einen Volltarif der privaten Krankenversicherer zu wählen.

Gesundheitsminister Bahr regt Öffnung der privaten Krankenversicherung an

Den gesetzlichen Schutz sieht Bahr in seinen Ursprüngen als Grundabsicherung gedacht, die es vielen interessierten Bundesbürgern verwehren würde, bessere Leistungen über einen privaten Tarif abzusichern und zur idealen Gesundheitsversorgung zu gelangen.

Aufgabe der Versicherungspflichtgrenze als Konzept

Aktuell ist mehr als 85 Prozent der deutschen Bevölkerung der Wechsel vom gesetzlichen in den privaten Krankenversicherungsschutz verwehrt. Sämtliche Angestellte, die der gesetzlichen Versicherungspflicht unterliegen, müssen mit ihrem Jahresbruttoeinkommen den Grenzbetrag von 52.200 Euro überschreiten, um den Wechsel in einen Volltarif der Privaten Krankenversicherung durchführen zu können. Die Anregungen von Gesundheitsminister Bahr würden einer Aufgabe der Versicherungspflichtgrenze gleichkommen, die seit Jahrzehnten angewendet wird. Jeder Bürger könnte hiernach frei entscheiden, bei seiner Krankenkasse zu bleiben oder sich für einen privaten Volltarif zu entscheiden, dessen Leistungsspektrum frei gewählt würde. Die monatlichen Beitragszahlungen würden anhand der individuellen gesundheitlichen Disposition ermittelt.

Nur geringe Aussichten auf eine erfolgreiche Umsetzung

Andere Parteien reagierten auf den Vorstoß des FDP-Ministers mit Kritik oder Spott. Vor allem der Risikoausgleich, der privaten Versicherungen für die fehlende Möglichkeit zur Ablehnung von Antragstellern gewährt werden müsste, stellt für viele ein finanzielles Wagnis dar. Die Parteien der Opposition befürworten ohnehin seit Jahren mit der Einführung einer Bürgerversicherung einen anderen Weg, der zum Auslaufen der Volltarife der privaten Krankenversicherung nach heutiger Anwendung führen würde. Ebenfalls kritisch wurde mit dem Vorschlag Bahrs verfahren, dass zukünftig auch gesetzlich Versicherte die in Rechnung gestellten Leistungen eines Arztes vorstrecken und anschließend mit ihrer Krankenkasse abrechnen.