GKV: Millionen von Versicherten müssen mit Zusatzbeiträgen rechnen

Veröffentlicht am 10.07.2014

Gesetzlich Versicherte sollen ab dem kommenden Jahr weniger zahlen: Im Zuge der vom Bundestag beschlossenen Reform der Krankenkassen wird der allgemeine Beitragssatz mit Wirkung zum 01. Januar 2015 auf 14,6 Prozent herabgesetzt. Gestrichen wird nicht nur der bislang vom Arbeitgeber übernommene Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent, sondern auch der pauschale Zusatzbeitrag.

GKV: Millionen von Versicherten müssen mit Zusatzbeiträgen rechnen

Im Gegenzug erhalten die gesetzlichen Krankenkassen die Möglichkeit, einen individuellen, prozentual vom Einkommen abhängigen Zusatzbeitrag zu erheben. Auf diesen Aufschlag wird nach Einschätzung des Kassenverbandes keine Versicherung verzichten. Gleichzeitig befürchten Sozialverbände eine Kürzung der Leistung.

Der Spardruck verstärkt sich

Um ihre Mitglieder zu halten, müssen die gesetzlichen Krankenkassen nach Ansicht des Gesundheitsministeriums künftig noch effizienter wirtschaften als bisher. Darüber hinaus gelte es, eine qualitativ gute Versorgung sicherzustellen und finanzielle Reserven stärker einzusetzen. Nur so wäre es möglich, hohe Zusatzbeiträge zu vermeiden. Um ihre Ausgaben zu decken, können die gesetzlichen Krankenkassen ab 2015 einen lohnabhängigen Aufschlag verlangen. Die Höhe des Zusatzbeitrages taxiert der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem für 2017 auf durchschnittlich 1,3 bis 1,5 Prozent des Einkommens. Das Bundesversicherungsamt rechnet sogar mit einem Aufschlag von 1,6 bis 1,7 Prozent. Machen klamme Versicherungen von dieser Option keinen Gebrauch, weil sie einen Abgang der Kunden befürchten, können sie von den Aufsichtsbehörden zur Erhöhung verpflichtet werden. Sozialverbände und Vertreter des Gesundheitssektors sorgen sich indes um eine mögliche Einschränkung des Leistungskatalogs infolge des steigenden Leistungsdrucks. Ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes warnt hingegen davor, die Diskussion lediglich auf die Kosten zu reduzieren ‑ im Vordergrund stehe noch immer die richtige Versorgung der Patienten. Darüber hinaus hätten die Versicherungen in der Vergangenheit durchaus wirtschaftlich gearbeitet und würden an dieser Linie festhalten.

Für eine Prognose ist es noch zu früh

Ob die Reform der Krankenkassen zu einem häufigeren Wechsel der Kunden oder zur Fusion einzelner Versicherungen führt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Die Bundesregierung betont allerdings, dass sie Synergieeffekte durchaus begrüßen würde. Eine verlässliche Prognose zur Höhe des künftigen Zusatzbeitrages ist derzeit ebenfalls nicht möglich. Nach Auskunft der mitgliederstärksten Kasse Barmer GEK können seriöse Aussagen erst dann getroffen werden, wenn ein offizieller Schätzerkreis seine Ergebnisse vorgelegt hat. Dies wird im Herbst der Fall sein.