Der Studenten-Knigge Teil 3: Stilsicher im Web unterwegs

Veröffentlicht am 25.05.2016

Nicht nur im Hörsaal oder in der Prüfung, sondern auch im Internet kann man als Student in einige Fettnäpfchen treten. Ob peinliche Infos, zu viele Emotionen oder illegale Aktionen - im Netz ist alles sichtbar. Was also den Kontakt mit Dozenten via Facebook, E-Mail und Co. betrifft, solltet ihr gewisse Dinge beachten … und auch eure Rechte und Pflichten kennen! Wir zeigen euch, was im Internet alles schief gehen kann und wie ihr unangenehme Freundschaftsanfragen auf Facebook oder Stress mit dem Prof aus dem Weg schaffen könnt.

Der Studenten-Knigge Teil 3: Stilsicher im Web unterwegs

Hey Prof, wollen wir Freunde sein?

Die digitale Annäherung an die Lehrperson ist immer eine knifflige Angelegenheit. Vor allem bei Facebook sollte man mit Freundschaftsanfragen vorsichtig sein. Viele Dozenten legen Wert auf Ihre Privatsphäre und haben keine Lust, sich auch noch in ihrer Freizeit mit ihren Studenten herumzuschlagen. Verständlich! Respektiere also den Wunsch deines Professors und gib ihm die Chance, Berufliches und Privates zu trennen. Und auch du solltest dich fragen: Will ich, dass der Prof so viel über mich und mein Privatleben erfährt? Die letzte Party, das Bikinifoto mit der besten Freundin … manches ist einfach nicht für Dozentenaugen bestimmt. Erweitere deshalb nicht zwanghaft deine Freundesliste und setz die Leute nicht unter Druck. Das gilt auch andersherum: Wenn dir dein Prof eine Freundschaftsanfrage sendet, bist du nicht verpflichtet, diese anzunehmen. Falls du unsicher bist, kannst du die entsprechende Person auch in eine Kontaktliste schieben, die nur bestimmte Inhalte deiner Facebook-Aktivitäten einsehen kann.

E-Mail-Verkehr: So textest du richtig!

Im Laufe des Studiums kommt man nicht ums E-Mail-Schreiben herum - egal ob eine fachliche Frage oder einen Termin für die Sprechstunde. Empfänger ist dabei immer ein Professor oder ein anderer Mitarbeiter der Hochschule, deshalb solltest du auf deinen Ton und die Form achten. Wichtig ist, immer höflich zu sein und sein Anliegen verständlich zu erklären. Allerdings hassen Dozenten lange E-Mail-Romane. Also mach deinem Prof das Leben nicht so schwer und bring die Sache auf den Punkt. Auf keinen Fall sollte man Emoticons verwenden oder mit „Hallo Prof“ beginnen. Geht der Dozent von selbst in einen informellen Ton über, kannst du dich anpassen. Für den Anfang aber ist „Sehr geehrte/r Frau/Herr Prof. (oder Dr.) ...“ die richtige Anrede. Den Titel der Person sollte man dabei nie vergessen! Auch die Betreffzeile ist ein wesentlicher Teil deiner E-Mail. Lässt du das Feld frei, könnte dein Professor die Nachricht schnell übersehen oder sie direkt in den Spamordner verbannen. Damit du nicht im „Müll“ landest, füll die Betreffzeile immer aus und sei dabei so kurz und präzise wie möglich. Auch deine E-Mail-Adresse spielt eine wichtige Rolle. Denn seien wir mal ehrlich: Neue Nachrichten mit einem seltsamen Absender werden meist sofort gelöscht. Die Zeiten von „supergirl92@web.de“ und „hansi300@web.de“ sind also vorbei. Lege dir stattdessen einen E-Mail-Account mit einer seriösen und professionellen Adresse zu, empfohlen wird die Schreibweise „vorname.nachname@provider.de“. Aber ich denke, so weit sind die meisten von euch schon gekommen. ;-)

3, 2, 1 … Action!

Der Prof redet so schnell, dass du nicht folgen kannst? Oder du sollst für deinen besten Kumpel Notizen machen? Warum dann nicht die gesamte Vorlesung mitfilmen und später in Ruhe ansehen? … Genau, weil es nicht erlaubt ist! So erklärt zum Beispiel die Uni Köln auf ihrer Website, dass schon das Mitschneiden einer Vorlesung ohne Einwilligung des Dozenten unzulässig ist, die Verbreitung des Videomaterials sowieso. Rechtlich gesehen ist es also nicht erlaubt, in der Uni zu filmen und das Video später bei YouTube oder Facebook hochzuladen. Auch für den privaten Gebrauch ist das Aufzeichnen verboten. Es sei denn, das ist mit dem Professor abgesprochen. Wer sich nicht an diese Regelung hält, muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen - auch wenn man vorher nichts davon wusste. Denn Unwissenheit schützt nicht vor Bestrafung. Was allerdings schon im Internet existiert, wie zum Beispiel ein Vorlesungsskript, darf man guten Gewissens verwenden und für einen kranken Kommilitonen kopieren.

Das Schutzschild Laptop

Anstatt in wissbegierige Gesichter zu blicken, stehen viele Dozenten heute vor einer Wand aus silbernen und schwarzen Laptoprücken. Aber tippen wirklich alle fleißig mit? Wohl kaum. Für manche Studenten dient der Laptop nicht als Arbeitsmittel, sondern als spaßige Ablenkung von der Vorlesung. Facebook, Twitter, YouTube … Möglichkeiten gibt es viele. Wer dem Prof nicht zuhört, ist selbst Schuld. Aber es ist auch sehr respektlos, der Lehrperson null Aufmerksamkeit zu schenken. Schließlich macht der Dozent auch nur seinen Job. Davon abgesehen kann man sich immer nur auf eine Sache konzentrieren - und das sollte die Vorlesung sein. Multitasking hin oder her, das Gehirn kann so viele Informationen und Eindrücke auf einmal nicht verarbeiten. Wer wirklich etwas lernen will und nicht für lau in der Uni sitzt, sollte den Laptop einfach mal zuklappen. Oder wirklich zum Mitschreiben benutzen.

„(Be-)schützt“ das WLAN!

Einige Professoren sind mittlerweile so genervt von der „Surferei“ der Studenten, dass sie freies WLAN in den Vorlesungssäälen abschaffen wollen. Wer das verhindern will, sollte ein bisschen mehr Interesse am Fach und am Dozenten selber zeigen!

„Richtig“ Dampf ablassen

Unfaire Benotung, frauenfeindliche Witze oder einfach total öde Vorlesungen - ein Dozent kann sich auf viele Wege unbeliebt machen. Doch das lassen sich viele Studenten nicht gefallen. Und wo kann man seinem Frust am besten Luft machen? Genau, im Internet. Auf Portalen wie ratemyprofessors.com oder meinprof.de kann man seine Professoren und die eigene Hochschule nach Lust und Laune bewerten. Aber seid vorsichtig mit euerer Wortwahl! Kritik ist dafür da, um sie anzunehmen und Verbesserung anzustreben. Das geht aber nicht, wenn ihr euren Prof im Internet als Idiot darstellt, anstatt sachliche, konstruktive Kritik zu üben. Außerdem bleibt ein Text im Internet für viele Jahre, wenn nicht sogar für immer bestehen. Überleg also gut, was du über deine Dozenten schreibst. Denn wenn du dich erst einmal wieder beruhigt hast, bereust du deine „Hasstirade“ vielleicht. Noch besser ist es natürlich, persönlich auf den Professor zuzugehen. Auf diesem Weg werden die Probleme am schnellsten gelöst!

Alternativ könnt ihr euch auch an die Fachschaft wenden. Die Leute dort haben schon Erfahrung mit vielen Dozenten, können vermitteln und euren „Streit“ schlichten.

Suche, Biete, Brauche

So ziemlich jeder Studiengang hat eine eigens erstellte Facebook-Gruppe. Sinn und Zweck ist der fachliche Austausch sowie die Klärung allgemeiner Fragen zum Studienablauf, Prüfungen, Dozenten, Partys und sonstiges Organisatorisches. Oft werden die Gruppen auch für den Verkauf von Möbeln und Büchern oder die Suche nach einem WG-Zimmer genutzt. Blöd ist nur, wenn jemand täglich nervige Fragen stellt und die anderen Gruppenmitgliedern mit einer Wucht an Postings tyrannisiert. „Leute, was wurde gestern in der Vorlesung XY besprochen?“ oder „Könnte mir jemand seine Notizen zukommen lassen?“ - an sich legitime Fragen. Wäre da nicht diese peinliche Regelmäßigkeit, in der die Leute diese Beiträge posten. Ein gut gemeinter Tipp: Einfach mal selbst zur Vorlesung gehen oder Freunde persönlich nach den Unterlagen fragen, bevor man allen auf den Wecker geht. Es muss schließlich nicht jeder an der Unwissenheit und Faulheit anderer Studenten teilhaben.

Auch endlose Diskussionen über das richtige Hausarbeitsthema oder den perfekten Beautysalon gehören nicht in die Facebook-Gruppe. Sprich am besten nur Themen an, die alle Mitglieder interessieren und betreffen. Denn eine gute Maniküre hat nun wirklich nichts mit dem Studium zu tun!