Muss es immer der Master sein oder reicht der Bachelor?

Veröffentlicht am 22.03.2017

Dieser Frage stellen sich die meisten Bachelorabsolventen nach Erhalt ihres ersten akademischen Titels. Dabei stößt man als Alumni bei der Recherche auf die verschiedensten Aussagen, Zitate oder Annahmen über Karriere, Gehalt und Möglichkeiten mit und ohne Master. Um Ordnung in diesem Chaos aus Informationsflut zu schaffen, haben wir die fünf wichtigsten Thesen herausgefiltert und ausgiebig auf Alltagstauglichkeit und Wahrheitsgehalt geprüft.

Muss es immer der Master sein oder reicht der Bachelor?

Du wirst schnell merken, dass man auf kaum eine Aussage, die wir hier behandeln, eine 100-prozentige Antwort geben kann. Es gibt einfach zu viele Einflüsse und unbekannte Faktoren. Zudem kommt die Tatsache, dass das individuelle Engagement im späteren Berufsleben aber auch im Studium einer der Hauptfaktoren für eine erfolgsversprechende Karriere ist. Und dafür ist schließlich jeder selbst verantwortlich.

Trotzdem werden wir dir zu wichtigen Fragen, die dich als Bachelorabsolventen beschäftigen einen Überblick verschaffen:

These Nr. 1: „Ohne Master ist es schwieriger ins Berufsleben zu starten“

Diese fundamentale Aussage ist eine der wichtigsten, die eventuelle Master-Anwerber interessiert. Denn schließlich erhofft man sich, seine beruflichen Chancen und Qualifikationen durch einen zweiten akademischen Abschluss deutlich zu steigern und sich vom Wettbewerb abzuheben.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es hier ganz besonders auf die Fachrichtung während des Studiums ankommt. So ist es für Bachelorabsolventen von Naturwissenschaften wie zum Beispiel Chemie äußerst schwer, einen Job zu finden. Denn aufgrund der Tatsache, dass sie trotz Studium kaum praktische Kenntnisse besitzen, können sie sich nicht von Laboranten etc. abheben.

Deshalb ist es in diesen Fachrichtungen wichtig, den akademischen Weg soweit wie möglich fortzusetzen. So kann man sein fachliches Wissen zu erweitern und sich für künftige Arbeitgeber attraktiver gestalten.

Selbiges gilt für Interessenten für den Bereich Forschung und Entwicklung. Denn auch hier fordert der Arbeitgeber ein fundiertes und vertieftes Fachwissen für den jeweiligen Tätigkeitsbereich. Zudem kann sich der Absolvent durch gezielte Spezialisierung während des akademischen Werdegangs von der breiten Masse abheben und steht so einem geringeren Wettbewerb gegenüber.

Daneben gibt es auch Berufe, die du ohne ein abgeschlossenes Masterstudium mit abschließendem Staatsexamen gar nicht antreten kannst und darfst. Beispiele hierfür sind das Lehramt sowie die Psychotherapie: Hier reicht der Bachelor alleine nicht aus.

Auf den Fachbereich kommt es an

Beim Großteil der Studierendenschaft gibt es sowohl für Bachelor- als auch für Masterabsolventen branchenabhängige Chancen ins Berufsleben einzusteigen. In den jeweiligen Stellenanzeigen wird oft lediglich nach einem Hochschulabschluss gefragt, der aber nicht weiter spezifiziert wird.

Auch in den Geisteswissenschaften ist es schwierig, nur mit dem Bachelorabschluss und ohne praktische Erfahrung einen Fuß in die Türe dieser Branche zu kriegen. Hier ist ein Großteil der Absolventen nach dem Studium in fachfremden Bereichen eingestellt.

Im Gegensatz dazu gibt es bestimmte Studiengänge, bei denen ein fehlender Master den Berufseinstiegschancen keinen Abbruch tut. Ganz besonders profitieren hier Absolventen aus dem Bereich Informationstechnik. Denn aufgrund des stetig steigenden Bedarfs in dieser Branche, sowie dem Fachkräftemangel, haben diese sehr hohe Chancen auf einen guten Arbeitsplatz. Ähnlich verhält es sich mit Bachelorabsolventen der Wirtschaftswissenschaften, die eine Karriere im Vertrieb oder der Buchhaltung anstreben.

These Nr. 2: „Ohne Master keine Führungsposition“

Bei diesem Thema gehen die Meinungen von Experten weit auseinander. Während die einen davon überzeugt sind, dass nur ein geringer Anteil von Bachelorabsolventen eine Führungsposition einnehmen kann, widersprechen die anderen und führen an, dass die Akzeptanz und das Ansehen des Bachelorabschlusses aktuell steigt.

Für beide Theorien lassen sich Beispiele in der realen Wirtschaft finden und auch hier hängt einiges vom persönlichen Engagement ab.

Für die Masterabsolventen in einer Führungsrolle spricht, dass im Masterstudium deutlich von den starren Lernmethoden des Bachelors abgewichen wird. Hier werden praktische Themen vertieft und Projekte mit realem Bezug be- und erarbeitet. Das bedeutet, dass hier neben der fachlichen Tiefe ebenso die Soft-Skills des Akademikers weiterentwickelt werden.

Die Bachelor-Befürworter haben dagegen anzubringen, dass die Absolventen meist jünger sind, somit früher ins Berufsleben einsteigen und wertvolle Praxiserfahrung sammeln können. Auch hier gilt es von Branche zu Branche zu unterscheiden und sich intensiv mit dem angestrebten Berufsbild zu beschäftigen. Denn nur mit einem gewissen Überblick kann wird deutlich, welche Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere notwendig sind.

Anderes gilt für Studenten, die einen Posten im höheren öffentlichen Dienst anstreben. Hier sind klare Grenzen gezogen: Der Bachelorabschluss dient als „Einstiegsabschluss“ in den gehobenen Dienst; aber wenn es um einen Aufstieg in den höheren Dienst geht, ist ein Master unabdingbar. Ein Versuch der Bundesregierung, diese Strukturen in der Vergangenheit zu lockern, ist an enormen Protesten gescheitert. Hintergründe dazu sind in diesem Artikel zusammengefasst.

These Nr. 3: „Bessere Karriereaussichten und Aufstiegschancen“

Alternativer Karriereweg

Wer nach dem Studium nicht auf ein Unternehmen und die Chancen, die dieses bietet, angewiesen sein möchte, hat immer die Möglichkeit, während des Studiums sein eigenes Business aufzubauen. Tipps dazu findest du in unserem Artikel über Unternehmensgründung im Studium.

Ob Master oder Bachelor - meist ist der Abschluss „nur“ der Einstieg in das Berufsleben. Im Berufsleben angekommen stehen einem je nach persönlichem Engagement viele Türen offen. Natürlich wertet auch hier ein zweiter akademischer Abschluss den Lebenslauf auf. Aber gerade heutzutage stehen Soft-Skills und die Qualität der Arbeit in der Praxis bei den Unternehmen im Vordergrund. Schon in der jetzigen „Chef-Generation“ lässt sich feststellen, dass akademische Weiterbildung nicht zwingend für eine hohe Position im Unternehmen notwendig ist. Das lässt sich aus dem sinkenden Anteil von promovierten DAX-Vorständen ableiten.

These Nr. 4: „Mit Master verdiene ich mehr“

Das Geld und Karriere nicht alles ist, wissen die meisten. Zumindest sagt man das. Trotzdem ist die Frage nach einem angemessenen Gehalt einer der Hauptgründe, warum Studenten sich für oder gegen ein Masterstudium entscheiden.

Fest steht: Als Master verdienst du in den meisten Fällen mehr Geld. Und das ist auch gerechtfertigt. Denn die fachliche Weiterbildung, der zeitliche Aufwand und die allgemeine Beanspruchung, die vier weitere Semester mit sich bringen, sind groß und sollten belohnt werden. Hier lässt sich sagen, dass das Einstiegsgehalt bei Bachelorabsolventen durchschnittlich um ca. fünf bis fünfzehn Prozent niedriger ist als bei deren akademischen Masterkollegen. Eine passende Statistik findest du auf Absolventa unter Punkt 5.

Doch wenn es um den Verlauf und den zukünftigen Mehrverdienst geht, haben Experten geteilte Meinungen.

Ein Teil ist der Überzeugung, dass der finanzielle Vorsprung der Masterabsolventen durch die höhere Berufserfahrung der früher eingestiegenen Bachelor im Laufe der Zeit eingeholt werden kann. Dagegen geht der andere Teil davon aus, dass dieser Vorsprung durch die Karriere hinweg bestehen bleibt.

„Beim Berufseinstieg verdienen Master-Absolventen mehr. Sie haben ja auch länger studiert. Bachelor-Absolventen haben den Vorteil, dass sie im Schnitt drei Jahre jünger sind. Bis die Master in den Beruf kommen, haben Bachelors schon einen Vorsprung an Berufserfahrung. Die Gehälter gleichen sich dadurch an.

Henning Dettleff von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)

Auch hier kommt es wieder auf das individuelle Engagement der Berufstätigen und die Unternehmenspolitik des Unternehmens an. Gerade große Unternehmen zahlen Masterabsolventen pauschal mehr als anderen Arbeitnehmer mit nur einem akademischen Abschluss. Kleinere bis mittlere Betriebe machen in dieser Hinsicht nicht so große Unterschiede und behandeln beide Gruppen oft gleich, wenn es um die gehaltliche Einstufung geht.

These Nr. 5: „Ich muss mit den anderen mithalten“

Aktuell spezifizieren rund 70 Prozent aller Bachelorabsolventen ihr Fachwissen mit einem zweiten akademischen Abschluss. Somit scheint der Gedanke der Verantwortlichen der Bologna-Reform von 1999 nicht aufgegangen zu sein. Denn der Plan, dass nur wenige Absolventen des „Bachelor-Grundstudiums“ einen Master an ihr Studium anhängen, ist fehlgeschlagen.

Deshalb wirst auch du, wenn es auf das Ende deines Studiums zu geht, einige Freunde und Bekannte haben, die einen Master anstreben und mit dir darüber reden werden: Wenn du bis hierhin gelesen hast, weißt du nun, dass es für beide Varianten (mit und ohne Master) Argumente gibt. Und die musst du auf deinen Studiengang, deine Karrierevorstellungen und deine generelle Situation anwenden, um zu entscheiden, ob ein Master für dich in Frage kommt. Aber auf keinen Fall solltest du dich bei der Entscheidung von den subjektiven Meinungen deiner Freunde, Bekannten oder Verwandten zu sehr beeinflussen oder sogar unter Druck setzen lassen.

Schließlich kommt es auch darauf an, ob dir das Studieren an sich überhaupt Spaß macht oder der Bachelor eine dreijährige Qual für dich war. Möchtest du zudem so schnell wie möglich deine erlernten Fähigkeiten umsetzen und zeigen was du kannst, spricht nichts dagegen, auf den Master zu verzichten.

Willst du allerdings dein Studentenleben so lange wie möglich beibehalten, hast du dich wahrscheinlich schon längst dafür entschieden, einen Master zu machen. Aber auch hier solltest du dir die Fachrichtung gut aussuchen, da diese dich sehr auf ein spezielles Themengebiet festlegen und die Weichen für deine berufliche Laufbahn stellen kann.

Berufsbegleitender Master

Ein Master kommt für dich aktuell nicht in Frage? Kein Problem. Denn auch im späteren Berufsleben gibt es viele Möglichkeiten sich akademisch weiterzubilden. Willst du dabei nicht auf deinen Job verzichten, kann ein Master-Fernstudium für dich in Frage kommen. Diese Art des Studiums ist speziell auf Menschen mit begrenzten zeitlichen Kapazitäten ausgelegt und wird oft vom Arbeitgeber unterstützt. Möchtest du mehr zu diesem Thema erfahren oder dich über mögliche Fernstudiengänge informieren, dann schau mal auf diesem Portal vorbei.

Fazit

Wie du gemerkt hast: Wir haben keine Pauschalantwort für dich auf die Frage „Lohnt sich der Master oder reicht mir der Bachelor“. Deshalb ist es wichtig, dass du dich selber darüber informierst, inwiefern ein Master für deine berufliche Zukunft notwendig und hilfreich sein kann. Infos dazu findest du im Internet oder bei Studienberatungen. Zusätzlich solltest du dir Stellenanzeigen heraussuchen, die den Wünschen und Erwartungen an deinen Zukunftsjob gerecht werden, und analysieren, welche Qualifikationen du hierfür benötigst.

Reicht das nicht für deine Entscheidung aus, kann dir auch etwas Berufserfahrung dabei helfen, dir darüber klar zu werden, ob ein Masterstudium für dich in Frage kommt.

Letztendlich bleibt es eine Frage der persönlichen Präferenzen, Vorstellungen aber auch des eigenen Engagements, das man bereit ist in ein weiteres Studium oder den Job zu investieren.