Die gute alte Fachschaft - Zeit für ein neues Image

Veröffentlicht am 30.05.2017

Wenn es um das Thema Fachschaft geht, teilen sich die Meinungen von Studenten in zwei Lager. Die einen, die selbst in der Fachschaft aktiv sind, stehen mit ihrem Ehrgeiz und Engagement, gegenüber der Coolness und dem Freigeist der Studenten, die nicht in der Fachschaft vertreten sind. Diese unnötige Polarisation ist allmählich anstrengend. Es wird Zeit, das Image von Fachschaften zu stärken. Wer sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzt, dem wird es vielleicht einleuchten, dass jeder einzelne Student davon Nutzen tragen kann. Wer sich in einer Fachschaft engagiert, kann das Unileben kreativ mitgestalten und auch persönlich davon profitieren.

Die gute alte Fachschaft - Zeit für ein neues Image

Diverse Studien belegen, dass den meisten Studenten an deutschen Universitäten und Hochschulen ihre Fachschaften gleichgültig sind. Sie interessieren sich nicht für deren Einsatz, geschweige denn, dass die meisten überhaupt wissen, was eine Fachschaft ist und macht. Von vielen Kommilitonen werden sie als Nerds betitelt, die strebsam in freundschaftlicher Kooperation mit dem Professorenschaft stehen und schlechte Partys planen, zu denen keiner erscheint. Wenn auch vielleicht am letzten Punkt manchmal ein Funken Wahrheit steckt ;), ist das Meiste doch nur überholte Klischees.

...was genau war nochmal die Fachschaft?

Eine Fachschaft bildet sich aus einer Gruppe von Studierenden, die sich für alle anderen Studierenden eines Faches engagieren und einsetzen. Sie bildet die Interessenvertretung aller dazugehörigen Studenten. Sie vertreten die Studenten innerhalb der Universität sowie außerhalb in der Öffentlichkeit. In regelmäßigen Treffen werden unterschiedliche Themenfelder und Aufgabenbereiche koordiniert und bearbeitet. Dazu zählt oftmals die Pflege der eigenen Fachschaftshomepage, das Schwarze Brett im Institut, die Erstsemestereinführung, die Betreuung der internationalen Studenten, die Fachschaftspartys und die Abschlussfeier. Diese Aufgaben zählen zu den Grundtätigkeiten jeder Fachschaft, egal an welcher Hochschule, ob FH oder Uni, und egal ob Mathe, Englisch oder BWL.

Oft besteht auch die Möglichkeit, über die Fachschaft alte Klausuren einzusehen oder zu kopieren, um sich für besonders schwierige Prüfungen vorzubereiten. Hättet ihr das gewusst? Des Weiteren wird in jedem neuen Semester, von den Vorgängern die alten Bücher zu Schnäppchenpreisen angeboten, wenn nicht sogar verschenkt. Getreu dem Motto „Von Studenten, für Studenten“. Zugleich bildet dies das Credo von Fachschaften. Jedoch sind dem Tätigkeitsbereich der Fachschaftsarbeit keine Grenzen gesetzt. Hast du eine Idee? Dann bring sie ein und die Chance, dass sie umgesetzt wird, ist sehr groß, denn sie kann allen helfen - ihr studiert alle das gleiche FACH.

Dein Freund und Helfer (an der Uni)!

Neben all den positiven und amüsanten Themen für die eine Fachschaft verantwortlich ist, gibt es auch unangenehme Bereiche, die betreut werden. Wie zum Beispiel die Kooperation mit den Professoren. Abgesehen davon, dass es in der Natur jedes Studenten liegt, die Beziehung zu den Professoren so neutral wie möglich zu halten, ist es umso schwieriger, wenn es sich vielleicht nicht nur um eine standardisierte - „Feedback zu einer Hausarbeit“ - Situation handelt. Wenn sich die Studierenden über diverse Dinge beschweren, sei es zu detaillierter Wissenstransfer, zu strenge „Hausaufgaben“ oder abfallendes Benehmen eines Professors gegenüber Studenten, dann sucht die Fachschaft das Gespräch mit den Dozenten oder der Institutsleitung.

„...ähhhmmm, wir sind nicht mehr in der Schule!“

Diese Vermittlerrolle ist ein sehr wichtiger Punkt, den die meisten Studenten leider nicht zu schätzen wissen. In der Regel werden Frust und Ängste nicht kundgetan, da sie gar nicht wissen, dass ihnen geholfen werden kann. Sie haben immer ein offenes Ohr für jeden Studenten und deren Problemchen. Nicht nur Fachschaft sondern Freundschaft, also. Je nach Einflussstärke und Größe der Fachschaft haben sie sogar Möglichkeiten, die Studienordnung mitzugestalten. Wenn also zum Beispiel eine Klausurwoche zu voll ist, dann könnte man den Plan vielleicht auf zwei Wochen verteilen. Dies sollte allerdings früh genug erfolgen und mit überzeugenden Argumenten gegenüber dem Prüfungsamt vorgelegt werden. Störende Faktoren während des Studiums können auf diese Weise aus dem Weg geräumt werden.

Engagement & Gemeinschaft

Kommt es zum einen, kommt es automatisch zum anderen. Die meisten Leute, die sich in eine Fachschaft wählen lassen, tun dies aus simpler Überzeugung - sie mögen es, andere zu unterstützen. Bei all den unterschiedlichen Aufgaben, Projekten und Events lernt man eine Menge neuer Leute kennen. Austausch ist in fast allen Lebenslagen eine Bereicherung. Wir alle wissen, wie anonym manch Unialltag sein kann, mit 200 Leuten vollgestopft in kleinen Hörsälen. In der Fachschaft hat man die Chance, die Anonymität zu durchbrechen. Darüber hinaus gibt es Möglichkeit, seine eigenen Grenzen auszutesten. Wie verantwortungsbewusst ist man wirklich? Oder wie steht es um die Belastbarkeit neben dem Studium? Ganz davon abgesehen, dass „ehrenamtliches Engagement“, und genau darum handelt es sich, auch in der Berufswelt gern gesehen wird. Hieraus kann jeder potenzielle Arbeitgeber, einiges ableiten - Teamarbeit, Verantwortung, Sozialkompetenz.

Schluss mit der Nörgelei

Für alle unter uns, die immer nur am Nörgeln sind, selbst schuld. Es mag stimmen, dass nicht jede Fachschaft, jeden Wunsch erfüllen kann, aber gerade dann wird es Zeit, das Zepter selbst in die Hand zu nehmen. Das wirkliche Problem sind nicht die Fachschaften, sondern eher der Mangel an Leuten, die was bewegen wollen. Man hält es oft für zu viel Zeitaufwand. Sicherlich sind die streng durchgetakteten Studiengänge à la Bachelor und Master sehr zeitaufwendig und nehmen schulische Züge an. Viele Studenten finden kaum Zeit für andere Tätigkeiten. Aber genau darum geht es: Wenn ihr etwas verändern möchtet oder Mitspracherecht verlangt, dann engagiert euch in der Fachschaft.