Von der Schulbank in den Hörsaal – das Studentenleben startet!

Veröffentlicht am 04.06.2020

Von der Schulbank in den Hörsaal – das Studentenleben startet!

Vom Klassenzimmer zur Großveranstaltung

Aus der Schulzeit ist man es gewohnt, dass einen die Lehrkräfte mit Namen ansprechen und man mit Personen in einem Klassenraum sitzt, die man alle mehr oder weniger kennt. Im Studium ist das anders! Vermutlich kein Dozent oder Dozentin wird euren Namen kennen oder erlernen. Identifizieren tut man sich im Studium über seine Matrikelnummer.

In vielen Universitäten und Hochschulen gibt es keine übersichtlichen Kleingruppen mehr. Nicht selten sitzen in einem Hörsaal bei einer Vorlesung 500 Studierende – unmöglich diese alle zu kennen.
Anwesenheitspflicht? In vielen Lehranstalten nicht vorhanden! Klingt erstmal verlockend, beutetet aber auch: Selbstdisziplin! Ihr müsst lernen, euer Leben als Neu-Studentin oder Student selbst zu strukturieren. Zu den Vorlesungen aufraffen, auch wenn das bedeutet morgens um 8 Uhr mit hunderten Kommilitoninnen und Kommilitonen in einem Hörsaal zu hocken.
Wer gerade aus der Schule kommt und gewohnt war in kleinen Kursgruppen einen strukturierten Stundenplan mit Anwesenheitspflicht nachzugehen, wird lernen müssen sich selbst zu organisieren. Zudem gibt es keine mündlichen Noten mehr für das Mitwirken in den einzelnen Vorlesungen. Gerade für stillere Mitmenschen könnte das jetzt eine echte Chance sein.

Klassenarbeiten ade

Im Studium sagt euch keiner mehr “was genau” in der Prüfung drankommen wird. Ihr müsst euch also selbstständig einen Überblick verschaffen und häufig den Lernstoff eines gesamten Semesters aneignen.
Zusätzliche Literatur müsst ihr selbst beschaffen. In der Regel geben Lehrkräfte zu Beginn des Semesters eine Literaturliste heraus, welche für das entsprechende Modul hilfreich oder gar unabdingbar sein könnte. Die Kosten für die Bücher müssen in der Regel selbst übernommen werden.
Schaut doch mal, ob ihr Studierende aus eurem Studiengang findet, welche das Modul bereits erfolgreich absolviert haben – vielleicht könnt ihr denen die Bücher günstig abkaufen.

Die Prüfungen zum Ende eines Semesters dauern deutlich länger als “normale” Schulprüfungen. Sie sind zeitlich eher vergleichbar mit Abiturprüfungen. Meistens hat man zwei Prüfungsversuche um das Semester zu bestehen. Schafft man es nicht, muss das Semester wiederholt werden. Es ist also nicht wie in der Schulzeit, dass man einfach eine schlechte Note bekommt, sondern man muss die Prüfung schlussendlich bestehen, um das Studium erfolgreich zu beenden.

Hausarbeiten werden euch vermutlich das gesamte Studium lang begleiten. Doch wenn ihr jetzt glaubt, es handelt sich hierbei um das klassische Schulreferat – weit gefehlt. Eine Hausarbeit kann schnell mal 50 % der Modulnote ausmachen und 20 Seiten lang sein. Präsentiert werden muss diese nicht immer. Fangt unbedingt rechtzeitig mit dem Recherchieren und Schreiben an, um später nicht in Zeitdruck zu geraten.

Die ersten Wochen verbringen viele Neu-Studierende erst einmal damit, die neuen Uni-Strukturen kennenzulernen. Informationen und Unterlagen zu beschaffen und sich einen allgemeinen Überblick zu verschaffen.

Das alles klingt jetzt erstmal nach viel Arbeit und wenig Freude, aber ihr werdet sehr schnell merken, dass ihr nicht die einzigen seid, die neu am Campus sind und Gleichgesinnte finden.
Das Studium bedeutet nicht nur mehr Verantwortung, sondern auch deutlich mehr Freiheit. Selbstorganisation- und Disziplin kann also auch als Chance genutzt werden, da man sich in der Schulzeit noch nicht, bzw. nur bedingt frei wählen und selbst entscheiden konnte.

Früher Feierabend? Wohl eher Spätschicht!

14 Uhr schulfrei, eine Stunde Hausaufgaben und Feierabend! Das war einmal. Im Studium ticken die Uhren etwas anders. In Universitäten und Hochschulen ist es nicht unüblich bis 20 Uhr Vorlesungen zu haben - auch wenn der Tag bereits um 8 Uhr mit der ersten Vorlesung gestartet ist.
Auch werdet ihr viel häufiger freie Blöcke haben, eventuell auch mal mittendrin für 4 Stunden. Nervig, kann aber auch effizient zum Lernen und für Projektarbeiten genutzt werden.
Häufig müssen nach einem langen Tag noch Vorlesungen nachbearbeitet oder schon die Nächsten vorbereitet werden. Alles, was man tagsüber nicht schafft, muss man auf den Abend verschieben.
Bei vielen Studiengängen ist das Lernpensum deutlich höher als zur Schulzeit.

Es gibt aber auch Studienkonzepte, welche sich an den bekannten Schulkonzepten orientieren. Hier hat man einen schulähnlichen Stundenplan mit wenig Freistunden und kleineren Seminargruppen. Das variiert je nach Studienstandort und Studiengangsgröße.

Semesterferien sind Urlaub? Falsch gedacht!

Für viele sind die Semesterferien die einzige (freie) Zeit, um einem Studentenjob nachgehen zu können. Häufig bleibt hierfür während der Vorlesungsphase keine Zeit.
Viele Studierende nutzen die Semesterferien ebenfalls um ein Praktikum, egal ob Pflichtpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum, zu absolvieren.
Immer häufiger wird die vorlesungsfreie Zeit für Weiterbildungsmaßnahmen genutzt. Viele Lehranstalten bieten daher auch während der Semesterferien verschiedene Fortbildungsmaßnahmen an, zu welchen man sich (häufig kostenfrei) anmelden kann.

Zudem legen manche Studiengänge Blockseminare und/oder Prüfungen in die Semesterferien. Heißt: nicht zu Beginn des Semesters die kompletten Semesterferien verplanen!
Ihr solltet hier den Spagat zwischen Ferienjob, Studium und Freizeit hinbekommen. Auch wenn es viel zu tun gibt, ist es wichtig, dass ihr die Semesterferien auch dazu nutzt, euch zu erholen und neue Energie zu tanken!

Unabhängigkeit ausnutzen

Studieren bedeutet aber auch, viele facettenreiche Menschen aus den unterschiedlichen Fakultäten und Studiengängen kennenzulernen. Man erhält Zugänge zu neuen Themen, welche man zuvor eventuell nie betrachtet hätte. Zudem werden hier Freundschaften und vielleicht sogar Familien fürs Leben geschlossen.
Man kommt wohl niemals mehr so schnell und unkompliziert mit “fremden” Menschen ins Gespräch, wie während seiner Studienzeit.

Auch ein Umzug in eine neue Stadt ist während des Studiums in der Regel schneller gemacht als im späteren Leben. Man ist unabhängiger, abenteuerlustiger - warum nicht also für das Masterstudium in eine neue Stadt ziehen?

Noch ein kleiner Tipp:

Viele Studierende nutzen die Zeit, wenn es sich organisatorisch und finanziell einrichten lässt, um ein Auslandssemester und/oder Praxissemester (im Ausland) zu absolvieren.