Auslandssemester - so bist du optimal vorbereitet

Veröffentlicht am 13.09.2016

Ein Semester in Spanien oder sonstwo ist längst keine Seltenheit mehr. Immer mehr Studenten zieht es in die Ferne - sei es für ein Studium oder Praktikum. Ein Kinderspiel, denken viele. Dabei muss man bei den Vorbereitungen für ein Auslandssemester so einiges beachten. Welche Aufgaben, Fragen und Herausforderungen dabei auf einen zukommen, hat unser Redaktionsmitglied Lisa am eigenen Leib erfahren.

Auslandssemester - so bist du optimal vorbereitet

Obligatorisches Auslandssemester. Noch knapp ein Jahr bis dahin. Und schon machte sich Panik in mir breit. Wo will ich hin? Was soll ich da machen? Wie bewerbe ich mich überhaupt? Und wer soll das alles bezahlen? Fragen über Fragen, die sich wahrscheinlich jeder in dieser Situation stellt. Also heißt es: Gedanken sortieren und Schritt für Schritt abarbeiten.

Die Reise nach ...

Zuallererst solltest du dir überlegen, in welchem Land du dein Auslandssemester absolvieren möchtest. Manche Studiengänge haben dazu bestimmte Vorgaben. So ist mein Auslandssemester nur in einem Land gültig, dessen Amtssprache in meinem Studium gelehrt wird. Da ich Englisch und Spanisch studiere, macht es für mich wenig Sinn, nach Frankreich zu gehen. In den meisten Studiengängen - und vor allem bei einem freiwilligen Auslandssemester - bist du in der Wahl des Landes aber völlig frei. Für ein Studium ist jedoch eine Partnerhochschule in deinem Wunschland von Vorteil. Informiere dich also vorab im Internet oder beim International Office deiner Uni.

Tipp

Bei der Frage nach der „Location“ solltest du auch die Lebenshaltungskosten sowie die politische Lage in den jeweiligen Ländern im Auge haben.

Ich selber musste mich zwischen einem englisch- und einem spanischsprachigen Land entscheiden. Da ich nach dem Abitur schon für ein halbes Jahr in Costa Rica war und fleißig „español“ gesprochen habe, stand für mich sehr bald fest, dass ich nun mein Englisch ein wenig aufmöbeln muss. Letztendlich ließ ich mich von einer Dozentin und ihrer Begeisterung für Großbritannien mitreißen und so entschied ich mich für die Insel - England.

Studieren oder praktizieren?

Egal was du während deines Auslandssemesters machst - neues Lernen und tolle Erfahrungen sammeln wirst du in jedem Fall! Denn sowohl ein Studium als auch ein Praktikum haben ihre Vor- und Nachteile:

Im Studium lernst du super schnell Leute in deinem Alter kennen, vertiefst oder erweiterst den Inhalt deines Studienfachs und hast nebenbei noch genug Zeit, das Land zu erkunden und ordentlich Party zu machen. Aus Erfahrungsberichten geht jedoch immer wieder hervor, dass Auslandsstudenten einer Nationalität oft unter sich bleiben und deshalb wenig in Berührung mit der Kultur und Sprache des Landes kommen.

Bei einem Praktikum ist man stattdessen mitten im Geschehen. Wer in einem ausländischen Unternehmen arbeitet, sammelt nicht nur wertvolle Praxiserfahrung, sondern lernt auch die Kollegen und deren Arbeitsweise gut kennen. Der Nachteil hierbei ist die vergleichsweise geringe Freizeit. Doch am Wochenende bleibt immer noch genug Gelegenheit, Gleichaltrige zu treffen und auch die ein oder andere Kneipentour mitzumachen.

Meine Wahl ist sehr schnell auf ein Praktikum gefallen. Zum einem, weil ich Arbeitserfahrung sammeln und damit meine Chance auf einen Job direkt nach dem Bachelor erhöhen will. Aber auch, weil mich das Berufsfeld „Tourismus“ brennend interessiert und ich einfach richtig Bock habe, mal etwas Neues auszuprobieren.

Bewirb dich!

Hast du dich für ein Auslandsstudium entschieden, kannst du dich nun im gewünschten Land an einer der Partnerhochschulen deiner Uni bewerben. Natürlich hast du auch die Möglichkeit, ganz frei irgendwelche Institute anzuschreiben - aber ersteres ist definitiv einfacher! Informiere dich früh genug über mögliche Studienplätze und die Kurse, die du belegen willst. Bei der Bewerbung an der Uni musst du meist mehrere Städte angeben. Dann heißt es nur noch: Daumen drücken für den Wunschplatz.

Für einen Praktikumsplatz im Ausland ist ein wenig mehr Eigeninitiative gefragt. Auch mir kam die Stelle im Tourismusbereich nicht einfach zugeflogen. Im Gegenteil, schon etliche Monate vor meinem Auslandssemester habe ich mich auf die Suche gemacht. Dafür gibt es im Internet Portale, die internationale Praktikumsplätze vermitteln. Hier solltest du vorsichtig sein, denn viele Seitenbetreiber verlangen eine Gebühr für die Vermittlung. Man kann jedoch auch sehr gut kostenfrei eine Stelle finden. Eine gute Quelle ist zum Beispiel die Website der eigenen Uni - das vergessen viele! Beim International Office, aber auch auf dem schwarzen Brett habe ich immer wieder super Angebote gefunden und letztendlich auch so meinen Praktikumsplatz in London bekommen.

Bewerbung ist aber nicht gleich Bewerbung! Bevor du zahlreiche Mails nach Spanien, England oder Australien verschickst, solltest du die Formalitäten überprüfen. Denn wie heißt es so schön: Andere Länder, andere Sitten. So wollen zum Beispiel britische Personaler weder ein Passfoto noch deine Zeugnisse in der Bewerbung sehen - was bei uns in Deutschland wiederum immer dazu gehört. Wer auf der sicheren Seite sein will, macht sich vorab schlau über die Anforderungen des Gastlandes.

Papierkram und andere nervenauftreibende Dinge

Sind diese schwierigen Entscheidungen endlich getroffen, geht der Stress erst richtig los. Denn ein einfaches Formular als Anmeldung zum Auslandssemester reicht an den meisten Unis nicht aus. In meinem Fall musste ich unzählige Online-Dokumente ausfüllen, meine Daten wieder und wieder angeben und auf etliche Unterschriften warten. Aber keine Sorge, so schlimm ist das nicht! Und als kleiner Trost: Ist der ganze Papierkram erst einmal erledigt, kannst du dich voll und ganz auf die schönen Dinge konzentrieren ... Aber dazu später mehr. ;-)

Kleiner Tipp:

Früh genug mit den Formalitäten anfangen und einen sortierten Ordner anlegen. Ob am PC oder auf Papier - Hauptsache du hast alle Unterlagen beisammen.

Zu den formalen Vorbereitungen eines Auslandssemesters gehört neben der Anmeldung auch oft ein Sprachnachweis bzw. -test sowie die Registrierung in einem uni-internen Online-Portal. Nebenbei solltest du dich darum kümmern, im Ausland rundum versichert zu sein. Wichtig ist vor allem eine Krankenversicherung im Gastland, denn sonst kann ein Arztbesuch vor Ort ziemlich teuer werden. Bist du privat versichert, brauchst du hier keinen großen Aufwand betreiben, denn dein Versicherungsschutz gilt auch in anderen Ländern. Wer über seine Eltern gesetzlich versichert ist, kann für die Zeit im Ausland eine zusätzliche Versicherungspolice abschließen.

Money, money, money!

Leider kommst du bei der Planung deines Auslandssemesters um das lästige Thema Finanzierung nicht herum. Auch ich musste mir im Vorfeld darüber Gedanken machen, wie und ob ich mir vier Monate in einer der teuersten Städte der Welt leisten kann. Doch dank Erasmus+ ist das möglich. Jeder Student kann sich für diese Förderung bewerben - egal ob Studium oder Praktikum. Die Höhe der monatlichen Finanzierung hängt von deinem Gastland ab. Schließlich sind die Lebenshaltungskosten nicht überall gleich. So kannst du dein Taschengeld je nach Ort um bis zu 370 Euro aufstocken. Wer zusätzlich noch Auslands-Bafög beantragt (ja, das geht), sollte finanziell auf der sicheren Seite sein. Und den Rest kannst du bestimmt von deinem Sparbuch oder bei Oma & Opa zusammen kratzen. ;-)

Suchst du noch oder lebst du schon?

Nun kommt der spannende Part der Vorbereitung: die Wohnungssuche. Gut, das kann Spaß machen, aber auch ziemlich frustrierend sein. Möglichkeiten gibt es jedenfalls genug.

Je nach Land findest du im Internet verschiedene Portale, auf denen du gezielt nach WG-Zimmern oder Appartements suchen kannst. Für mich war zum Beispiel die britische Seite spareroom die erste Anlaufstelle. Aber auch bei Facebook gibt’s unzählige Gruppen, in denen User Zimmer anbieten oder eine WG gründen wollen. Einfach mal das Zielland bzw. -stadt im Suchfeld eingeben und gucken, was passiert. Kleiner Tipp am Rande: Diese „Neu in … (Stadt XY)“-Seiten bei Facebook sind auch super, um schonmal in Vorfeld Kontakt mit Landsleuten oder anderen internationalen Studenten aufzunehmen.

Bei mir hat sich die Suche nach einem WG-Zimmer als ziemlich schwierig erwiesen. Jeden Tag habe ich das Internet nach geeigneten Anzeigen durchforstet (und dabei war ich wirklich nicht wählerisch), habe mir ein eigenes „Gesuche-Profil“ erstellt und unzählige Nachrichten geschrieben - nur leider sehr wenige Antworten bekommen. Wenn man Glück hat, sind unter zwanzig Anfragen ein oder zwei Rückmeldungen dabei. Nach wochenlanger Suche habe ich mir sogar einen Premium-Account auf einer der WG-Seiten erstellt, nur um bessere Chancen zu haben. Einen Premium-Account! Für zehn Pfund!! Eigentlich würde ich nie Geld für so etwas ausgeben, aber zu dem Zeitpunkt war ich schon echt verzweifelt. Und siehe da, es hat sich gelohnt. Kurze Zeit später bekam ich die Zusage für meine Wunsch-WG - das waren die zehn Pfund definitiv wert.

Die letzten Schritte

So, das wichtigste ist geregelt. Jetzt fehlen nur noch „Kleinigkeiten“ wie den Flug buchen und dich bei der Bank über den Währungskurs sowie deine Zahlungsmöglichkeiten vor Ort informieren. Für einen längeren Auslandsaufenthalt lohnt sich eine Visa-Karte, aber mittlerweile kann man in vielen europäischen Ländern sogar mit der normalen EC-Karte einer deutschen Bank zahlen. Zum Schluss heißt es dann Familie und Freunde verabschieden uuund Abflug.

Für die Planung deines Auslandssemesters wünsche ich dir alles Gute. Und natürlich eine super Zeit in der Ferne! In diesem Sinne verabschiede ich mich für vier Monate in die aufregende Metropole London. Bye bye!