Mein Semester im Ausland - Top oder Flop?

Veröffentlicht am 21.04.2017

Unser Redaktionsmitglied Lisa hat es gewagt: ein viermonatiges Praktikum in London. Vor ihrem Abenteuer hat sie uns bereits mit Tipps zur Vorbereitung und Planung eines Semesters im Ausland versorgt. Nun verrät Lisa, was sie auf der Insel erlebt hat und worauf man im Auslandssemester unbedingt achten sollte.

Mein Semester im Ausland - Top oder Flop?

Du willst ein Semester im Ausland verbringen, hast aber noch keinen Plan? Dann schau in unserem Artikel zur Vorbereitung deines Auslandssemesters vorbei.

Aller Anfang ist schwer ...

Am Tag meiner Abreise war ich super aufgeregt. Logisch! „Was mich da drüben wohl erwarten wird? Hoffentlich gefällt mir das Praktikum. Und bitte lass meine Mitbewohner nett sein! …“ Mit kreisenden Gedanken und vollen Koffern ging es los zum Flughafen. Nachdem ein paar Tränchen verdrückt wurden, saß ich auch schon im Flieger und ehe ich mich versah, hatte ich britischen Boden unter meinen Füßen. In einer Affenhitze wagte ich mich auf den Weg quer durch den Großstadtdschungel zu meiner neuen Bleibe. Wer sich an dieser Stelle wundert: Ja, auch in England kann das Wetter schön sein, aber dazu später mehr. ;-)

Vor der Abreise:

Plane den Weg zu deiner neuen Unterkunft. Neu im Land und ohne Internet bist du sonst ziemlich aufgeschmissen!

An der „tube station“ wurde ich schließlich von einem meiner Mitbewohner empfangen und zur WG begleitet. Dort traf mich direkt der erste Schock: Löcher im Badezimmerboden, Gitter vor den Fenstern und ein Zimmer in Schuhkarton-Größe. Nunja, nicht umsonst war die Miete für Londoner Verhältnisse und die zentrale Lage relativ günstig. Also Augen zu und durch!

An meinem ersten Praktikumstag erwartete mich bereits die nächste böse Überraschung: Im Büro der Sprachschule angekommen teilte mir der Chef mit, dass man für mich nichts zu tun hätte. Trotz schriftlicher Zusage war für mich also gar kein Praktikumsplatz vorgesehen. Deshalb wurde ich kurzerhand einem anderen Unternehmen „zugeschoben“. Verärgert und ahnungslos bin ich dann zur Location meines neuen Praktikums gestiefelt - und so nahm alles seinen Lauf … Anstatt wie geplant in einer Reise- und Sprachschule den Tourismusbereich kennen zu lernen, musste ich mich nun in ein mir völlig fremdes (und eigentlich immer gehasstes) Themengebiet einarbeiten: IT. Als absoluter Nichtskönner in Sachen Computer und Telefonverträgen war meine erste Aufgabe, alle jobrelevanten Begriffe zu lernen. Die Lust am Praktikum verging mir schnell. Hinzu kam noch, dass sich der spontane Wechsel meiner Praktikumsstelle etwas schwierig für meine Uni herausstellte. Nach etlichen Telefonaten und einer Menge verlorener Nerven wurde mein neuer Platz aber endlich genehmigt und ich konnte mich voll und ganz auf das Praktikum konzentrieren.

Nicht aufgeben!

Lass dich von unerwarteten Problemen nicht unterkriegen. Und wenn du gar nicht weiter weißt, kannst du dich immer an deine Uni wenden.

… doch dann ging es bergauf!

Mit der Zeit und Hilfe meiner Kollegen verstand ich die Produkte und Vorgehensweise des Unternehmens immer besser und ich durfte erste Aufgaben übernehmen. Ich habe gelernt, wie man einen Kostenvoranschlag erstellt und Kunden kontaktiert. Geschäftliche E-Mails und Telefonate standen ebenfalls auf meinen Tagesplan. Telefonieren, und das auch noch in einer Fremdsprache, klingt erstmal nach puren Horror! Doch mit ein bisschen Übung wird man immer sicherer und am Ende ist es gar nicht mehr so schlimm. ;-)

So richtig zufrieden war ich mit meiner Arbeit trotzdem nicht. Mein Chef war sehr tolerant und verständnisvoll, in einem persönlichen Gespräch konnte ich meine Stärken und Wünsche äußern und letztendlich das tun, was ich am besten kann: Schreiben. Ich durfte Blogartikel für die Website des Unternehmens verfassen und den Inhalt für unsere Informationsblätter erstellen. Mit diesen neuen, zusätzlichen Aufgaben hatte ich richtig Spaß an der Arbeit. Und so verging die Zeit wie im Flug ...

Lass dir nicht alles gefallen!

Dein Chef ist auch nur ein Mensch und niemand will, dass du dich „quälst“. Wenn dich etwas stört, sprich es ruhig an!

Das absolut Beste an meinem Auslandssemester war jedoch die WG. Trotz dringendem Renovierungsbedarf habe ich mich dort pudelwohl gefühlt, was ich meinen vier Mitbewohnern zu verdanken habe. Sie hatten immer Zeit für einen Plausch oder einen Pizza-Abend. Generell waren wir ein gut eingespieltes Team. Alle haben sich an den Putzplan gehalten und sogar bei der gemeinsamen Gartenarbeit hatten wir eine Menge Spaß. Der Abschied von den vieren ist mir sehr, sehr schwer gefallen!!

Das Leben in London ist zwar etwas teurer, aber dafür sehr vielseitig. In der Stadt ist immer was los und für jeden ist etwas dabei - ob Shoppingqueen, Partyhase, Kulturfreund oder Feinschmecker. Ich war zum ersten Mal in London, dementsprechend gab es viel zu entdecken. Während des Auslandssemesters lernt man aber nicht nur das Land, sondern auch dessen Einwohner gut kennen. Die Briten sind ein höfliches und offenes Volk. Ein „How are you?“ gehört zur täglichen Begrüßung und wann immer ich Hilfe oder Rat brauchte, war jemand zur Stelle.

Achtung: Andere Länder, andere Sitten!

Egal ob nebenan oder 5.000 Kilometer entfernt - jedes Land hat seine eigenen Sitten und (sozialen) Regeln. Sei deshalb immer tolerant und offen für Neues!

An ein paar „Eigenarten“ musste ich mich jedoch erst gewöhnen. So legen die Briten zum Beispiel sehr viel Wert darauf, sich ordentlich in eine Warteschlange einzureihen. Ob im Supermarkt, an der Bushaltestelle oder beim Warten auf die Waschmaschine - Schlange stehen ist voll im Trend. Was außerdem ganz wichtig ist: Schwarzer Tee wird mit Milch getrunken. Immer! Das klingt jetzt nach einer Menge Klischees, aber eines hat sich nicht bewährt: Sieben Tage Regenwetter. Im Gegenteil, das Wetter auf der Insel war oft sogar besser als in Deutschland. Im Winter wurde es natürlich kalt, doch für den Fall einer fiesen Grippe hatte ich vorab eine Krankenversicherung fürs Ausland abgeschlossen. Zum Glück musste ich davon nie Gebrauch machen - aber man kann ja nie wissen.

Finanziell bin ich dank der Erasmus+ Förderung und meinen Ersparnissen in London ganz gut über die Runden gekommen. Mit ein bisschen Planung, Vorbereitung und Rechnen im Supermarkt klappt das bei dir ganz sicher auch! Nach Abschluss meines Auslandspraktikums musste ich eine Menge Unterlagen in der Uni einreichen. Dazu gehörte ein vier Seiten langer Erfahrungsbericht, ein Praktikumszeugnis von meinem Arbeitgeber in London sowie die Dokumente für die Erasmus+ Förderung. Das klingt zwar nach viel Arbeit, aber da kommt man nicht drum herum. Schließlich soll das Auslandssemester auch von der Uni anerkannt werden und am Ende deinen Lebenslauf schmücken. ;-)

Mach dich schlau!

Jede Uni hat andere Anforderungen für ein Auslandssemester. Informiere dich vorab, welche Unterlagen du benötigst und kümmere dich rechtzeitig um die Unterschriften.

Persönliches Fazit

Alles in allem hatte ich eine super Zeit in London. Trotz oder gerade wegen der anfänglichen Schwierigkeiten hat sich das Auslandssemester richtig gelohnt. Ich habe gelernt, mit Problemen und negativen Überraschung umzugehen und das Beste aus der Situation zu machen.

Wie du siehst, ist ein Auslandspraktikum eine spannende Herausforderung und tolle Gelegenheit, um Land, Leute und gutes Essen kennen zu lernen. Obendrein verbesserst du deine Fremdsprachenkenntnisse und sammelst wertvolle Praxiserfahrung für deine Zukunft. Also worauf wartest du noch?