Das Auswahlverfahren zum Master - mehr als nur die Bachelornote

Veröffentlicht am 09.05.2017

Früher war die Note des Bachelorstudiums das Hauptkriterium für die Zulassung zu einem Masterstudiengang. Doch längst zählen neben der Bachelornote auch noch Motivationsschreiben, Lebenslauf und ein persönliches Gespräch zum Auswahlprozess der Hochschulen. Wie ihr euch am besten darauf vorbereiten könnt und was auf euch zukommt, erfahrt ihr hier.

Das Auswahlverfahren zum Master - mehr als nur die Bachelornote

Ist die Bachelornote durchschnittlich, sind die Chancen auf einen guten Masterplatz sehr schlecht. So war es noch bis vor einiger Zeit. Denn wenn es nach den Hochschulen geht, führen immer mehr von ihnen ein moderneres und erweitertes Auswahlverfahren ein: Dieses besteht neben der Bachelornote (ganz ist sie leider auch nicht weg zu denken) zusätzlich aus einem Motivationsschreiben, dem Lebenslauf und einem Auswahlinterview. Wir wollen euch hier zu jedem dieser Punkte einige Tipps zur Vorbereitung gebe, damit ihr die besten Chancen auf euren Master habt.

Die Bachelornote

Ja, auch zur Bachelornote haben wir etwas für dich. Wenn auch nur kurz, da du selbst wohl am besten weißt, ob deine Leistung ausreicht oder ob es noch Potenzial nach oben gibt. (Brauchst du allerdings noch Tipps zu deiner Zeitplanung oder aber du kommst beim Lernen einfach nicht voran, kann unser Blog dir mit Sicherheit auch bei diesen Themen weiterhelfen).

Aber: Wenn du dir schon während deines Bachelorstudiums sicher bist, dass du einen Master anhängen willst und auch schon weißt in welche fachliche Richtung es gehen soll, kannst du die jeweiligen Anforderungen an potentielle Bewerber bei den Hochschulen einsehen. Dort kannst du auch die durchschnittliche Note, bei der Bewerber angenommen werden, in Erfahrung bringen und dich darauf einstellen. Da du jetzt ein konkretes Ziel vor Augen hast, sollte deine Motivation und der Ansporn dich in der Uni zu verbessern automatisch ansteigen.

Das Auswahlgespräch an der Hochschule

Immer mehr Hochschulen entscheiden sich dazu, ihren Auswahlprozess um ein persönliches Bewerbergespräch zu ergänzen. Die Intention dahinter ist meist, herauszufinden, ob der Bewerber das Studium gewissenhaft absolvieren wird und sich seiner Sache sicher ist. Denn vor allem im Master wollen Hochschulen die Abbrecherquote so gering wie möglich halten.

Wie genau das Interview ausfällt, ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich: Ob Einzelgespräch oder Gruppendiskussion; ein Gesprächspartner oder gleich mehrere Professoren - auf was du dich alles vorbereiten solltest erfährst du hier:

  • Das übliche: Motivation, Job- und Zukunftsvorstellungen: Wie bei einem Jobinterview werden deine Gesprächspartner höchstwahrscheinlich auch diese drei Bulletpoints ansprechen. Hier ist es wichtig, dass du passende und auch an den Masterstudiengang angelehnte Antworten gibst. Habe auf jeden Fall ein, zwei konkrete Zukunftsvorstellungen in petto, um undefiniertes Rumgedruckse zu vermeiden ;-)
  • „Warum ausgerechnet unsere Hochschule?“: Diese Frage gehört zum Standardrepertoir eines jeden Auswahlgesprächs. Deshalb ist es extrem wichtig, dass du dich intensiv mit den Studieninhalten, dem Modulhandbuch und der Hochschule an sich auseinandergesetzt hast! So kannst du auf fachliche Besonderheiten der Uni oder außergewöhnliche Förderprogramme und Zukunftsaussichten eingehen. Jeder Mensch mag es, wenn ihm geschmeichelt wird, und Verantwortliche einer Hochschule sind da keine Ausnahme.
  • Die Bachelorarbeit: „Deine Eintrittskarte in die Masterwelt“ - so ähnlich werden es auch deine Gesprächspartner sehen. Oft muss der Bewerber hier eine kurze Zusammenfassung über das Thema seiner Abschlussarbeit, sowie die angewandten wissenschaftlichen Methoden präsentieren und offene Fragen beantworten. Deshalb: Egal welcher Zeitraum zwischen deinem Bachelorabschluss und dem Masterauswahlgespräch liegt: Befasse dich noch einmal intensiv mit Inhalt und Aufbau deiner Bachelorarbeit, um auf jede Rückfrage oder eventuelle Kritik eine Antwort parat zu haben. Es ist dabei auf jeden Fall von Vorteil, wenn du deine Arbeit mit den Studieninhalten verknüpfen kannst, um so dein frühes Interesse an diesem Themengebiet zu zeigen.
  • Soft Skills: Neben deinen fachlichen Kompetenzen wollen viele Hochschulen auch etwas über deine persönlichen Eigenschaften erfahren. Bist du dir deiner Sache sicher? Womit kannst du die Universität bereichern? Hier solltest du nicht übertreiben und auch nur Fakten anführen, die dich wirklich beschreiben. Deine Gesprächspartner interessiert es wenig, ob du im Alter von 10-12 Messdiener in eurer Gemeinde warst und deshalb diszipliniert und verlässlich bist. Du verstehst was wir meinen. Die Verantwortlichen merken sehr schnell, wann etwas wirklich realitätsnah ist und welche Aktivitäten aus deinem Leben Rückschlüsse auf deine Persönlichkeit zulassen.

Aktuelles Tagesgeschehen und Fach-Nachrichten

Wie vor jedem Bewerbungsgespräch solltest du dich (wenn du es nicht sowieso schon tust) grob mit dem aktuellen Tagesgeschehen befassen, um dich bei Fragen zu Politik und Gesellschaft nicht als Nachrichtenmuffel zu outen. Willst du darüber hinaus Pluspunkte sammeln, empfehlen wir dir dich in der Fachpresse über Neuigkeiten zu informieren, die deinen Wunschstudiengang betreffen. Die Kirsche auf der Torte ist es, wenn du dich mit den neuesten Publikationen deiner (hoffentlich) zukünftigen Professoren auseinander setzt und während des Gesprächs mit detaillierten Infos punkten kannst.

Im Grunde wollen die Verantwortlichen der Hochschule Eigenschaften und Talente offen legen, die durch die Noten deines Bachelorstudium nicht ersichtlich werden. Deshalb hast du hier die Möglichkeit eventuelle fachliche Defizite durch eine professionelle, aber nicht überzogene Selbstdarstellung auszugleichen und dich für einen Masterplatz zu qualifizieren.

Das Motivationsschreiben

Bevor es allerdings zum Interview geht, muss dein Motivationsschreiben die Hochschule bereits in gewissem Maße überzeugt haben. Dabei gelten dieselben formalen Grundsätze, wie bei einem üblichen Anschreiben:

Höfliche Anrede: Hier ist es am besten die direkten Ansprechpartner herauszufinden und mit „Sehr geehrte Frau/Herr Mustermann“ zu beginnen. Gibt es mehrere Verantwortliche oder wird nicht ersichtlich, wer im Endeffekt das Motivationsschreiben auf dem Tisch hat, ist ein „Sehr geehrte Damen und Herren“ die passende Formulierung.

Keine nichtssagenden Phrasen, die jedem schon zum Hals raushängen. Gerade die Bewerbungsverantwortlichen an Universitäten haben neben dem Auswahlprozess genug mit alltäglichen Hochschulaufgaben zu tun. Deshalb gilt: Sofort auf sich aufmerksam machen und das Interesse beim Leser wecken. Wie genau du das machst, bleibt dir überlassen und hängt von den persönlichen Eigenschaften ab, die du zum Ausdruck bringen willst. So sieht das auch Professorin Debora Weber-Wulff, die der Zeit-Campus ein ausführliches Interview zu diesem Thema gegeben hat.

[...]eine beliebige Phrase sollte man sofort streichen! Wer mich gleich am Anfang langweilt oder dumme Floskeln bringt, bekommt weniger Punkte.

Professorin Debora Weber-Wulff

Keine Auflistung der eigenen Fähigkeiten: “Ich bin selbstdiszipliniert, teamfähig, zuverlässig und belastbar.” - alles schön und gut. Aber beim Auswahlkomitee machst du damit nicht auf dich aufmerksam. Im Gegenteil: Unbelegte Aufzählungen können einen angeberischen Unterton mit sich bringen - und Eigenlob stinkt immer.

Langjähriges Engagement in einem Verein, freiwillige Jugendarbeit oder fachbezogene Projekte während des Bachelorstudiums sagen da schon viel mehr über deine Persönlichkeit aus!

Setze deine eigene Note und überzeuge durch Individualität. Nur so hebst du dich von den anderen Bewerbern ab und sicherst dir einen Platz zum Auswahlgespräch.

Dein Lebenslauf

Selbiges gilt für den Lebenslauf. Halte dich an die Fakten und erfinde nichts hinzu. Solltest du größere Lücken in deinem CV haben, bereite dich darauf vor passende Antworten geben zu können - denn Fragen dazu werden kommen. Natürlich gibt es auch beim Lebenslauf übliche Strukturen, an die sich die meisten Bewerber halten. Und hier solltest du nicht zu sehr aus dem Raster fallen. Denn Hochschulen sind keine innovativen Start-Ups, bei denen du mit einem besonders gestalteten Lebenslauf glänzen kannst. Bleibe deshalb eher bei den Basics und konzentriere dich auf den Inhalt und nicht auf eine außergewöhnliches Aufmachung.

Wichtig ist: Mach dich nicht verrückt! Wenn du dich gut vorbereitest und dich intensiv mit dem Masterprogramm beschäftigt hast, sollten während des Auswahlprozesses keine unangenehmen Überraschungen auf dich zukommen.